René Mense – Komponist


 

 

Robin Childhood (1994-96)
Seven short pieces for organ and speaker, 13'

  Meine Sieben kurze(n) Stücke für Orgel und Sprecher mit dem Titel Robin Childhood entstanden von 1994 bis 1996. Die Nummern 4 und 5 lagen bereits als Lied bzw. Klavierstück vor. Alle anderen Sätze wurden original für Orgel komponiert, nachdem ich den Auftrag erhalten hatte, einen Beitrag für das Jubiläumskonzert der Orgel der Marktkirche in Hamburg-Niendorf zu schreiben. Dort wurde der Zyklus im Juni 1996 im Rahmen des Festkonzertes uraufgeführt.

  Erst in der letzten Arbeitsphase nahm ich die Texte dazu. Dadurch erhielt das Stück seine aphoristisch- assoziative Gestalt und sein Thema: die Kindheit.

  1995 war ich in der Mitte der 20er Jahre und begann mich mit meiner Kindheit zu beschäftigen.  Zunächst hatte ich übrigens gar nicht an eine künstlerische Umsetzung gedacht. Ich wurde während des Komponierens – wahrscheinlich durch den verspielten, zuweilen albernen Charakter, den die Musik annahm – geradezu hineingerissen in die Gedanken- und Gefühlswelt eines Kindes, dem ich dann in Tönen nachhörte, ob ich es gewesen sein könnte.

  Wenn Friedrich Nietzsche sagen konnte: „ im ächten Manne ist ein Kind versteckt: das will spielen“, so zeigt sich das in meinem Zyklus, angefangen beim Titel Robin Childhood, in einer unablässigen Hingabe an das Wortspiel . . .

“The joy of being coy” – Die Freude am Geheimen.

Jede Sprache birgt ein Geheimnis. Damals (1995) war englische Literatur ein enger Bezugspunkt für mich; ich lernte etwas Tschechisch und es zog mich hin zum Französischen, an Stelle dessen ich in der Schulzeit Latein gelernt hatte.

  Und war das Spiel erst einmal eröffnet, wurden alle Bedeutungen in einen Strom gleichermaßen erfindender wie auflösender Kräfte hineingerissen. Der Spaß war nur zu beenden durch einen Kurzschluss, hier in Form einer kleinen dreistimmigen Fuge, die ab der Mitte einfach tongetreu rückwärts gespielt wird, mithin so einstimmig endet wie sie begonnen hat.

  Dahinter verbirgt sich auch der einzige Hinweis auf das Kind, das ich tatsächlich war: mehrmals hatte ich nämlich einen Kurzschluss bewirkt, indem ich die kleinen Bahnhofslaternen meiner Märklin-Eisenbahn direkt in die Steckdose gesteckt habe!

Komplettaufnahme (MP3) 16 MB

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